Kinder in Trauer

girl-person-human-femalegirl-1107788_1920 (2)Trauer bei Kindern
Frühe Verlusterfahrungen im Leben eines Kindes oder Jugendlichen sind besonders einschneidend und prägend. Grundsätzlich trauern Kinder und Jugendliche nicht anders als Erwachsene – sie drücken ihre Trauer aber anders aus. Eben mussten sie noch untröstlich weinen, im nächsten Moment toben sie schon wieder wild herum. Ängstliches Anklammern kommt genauso vor wie trotziges Leugnen. Diese schnellen Stimmungs-wechsel, die sich auch überlappen können, sind typisch für Kinder.

Und sie machen ihre Trauer für Erwachsene oft schwer nachvollziehbar.

Oft äußern junge Menschen ihre Trauer auch nicht direkt. Sie halten sie zurück, aus Angst, von ihren Gefühlen überwältigt zu werden oder ihre Eltern damit zusätzlich zu belasten. Daher wird ihre Trauer häufig übersehen oder nicht verstanden. Für Außenstehende funktionieren sie, als sei nichts geschehen. In der Schule oder im Kindergarten sind sie dann jedoch unkonzentriert, aggressiv, entwickeln womöglich Lernstörungen. Durch Verhaltensauffälligkeiten wie Essstörungen oder Drogenkonsum machen diese Kinder und Jugendlichen dann unbewusst auf ihre Not aufmerksam.

 

Trauer in der Familie
Wenn ein Familienmitglied stirbt, sind Kinder oft doppelt belastet – durch einen doppelten Verlust. Neben der eigenen Trauer um Vater oder Mutter oder eine andere wichtige Person müssen sie erleben, wie die ganze Familie in eine tiefe Krise gerät. Die Sicherheit, dass alles bleibt, wie es soll, ist dahin. Wie bei einem Mobile, bei dem man ein Teil abschneidet, gerät die gesamte Familie aus dem Gleichgewicht. Jeder ist mit der eigenen Trauer beschäftigt, oft auch mit eigenen Schuldgefühlen. Kinder fühlen sich dann besonders allein oder sogar existenziell bedroht.

Junge Menschen können im Trauerfall zuweilen erstaunliche Anstrengungen unternehmen, den Verlust zu bewältigen. Sie versuchen, die entstandene Lücke in der Familie auszufüllen und das Gleichgewicht in der Familie wieder herzustellen. Sie trösten dann die trauernden Familienmitglieder oder bemühen sich, den Verstorbenen zu ersetzen, indem sie sich im Haushalt oder in der Schule besonders anstrengen – obwohl eigentlich sie es sind, die dringend Unterstützung benötigten, um den Verlust auszudrücken und betrauern zu können.

 

„Mein „Seelenvogel“ erinnert mich immer daran, meine Gefühle ernst zu nehmen und nicht zu vergessen, dass sie alle wertvoll sind .“

Hannah, 16 Jahre

„Ich fand heute die Erzählrunde ganz schwer. Wie gut, dass Annika neben mir saß und ich nicht allein war.“

Petra, 10 Jahre

„Mir hat gefallen, dass ich hier alles sagen kann. In der Schule erzähl ich keinem, dass meine Wollmütze eigentlich  meinem Papa gehört hat; die würden alle lachen. Ich fand es schön, dass mich hier keiner ausgelacht hat.“

Tina, 10 Jahre

„Katharina hat alle Gruppentermine in ihrem Hausaufgabenheft. Das sagt doch alles.
Die Geburtstagskarte „Wurzeln und Flügeln“ von der Gruppe mit den Unterschriften aller Kinder benutzt sie als Lesezeichen.“

Die Mutter der achtjährigen Katharina